Das Müllionengeschäft

Seit 2005 werden Wertstoffe wie Altpapier, Altglas, Verpackungen und Bioabfall in Deutschland verstärkt getrennt erfasst und überwiegend stofflich verwertet, also recycelt. Das schont Rohstoffe, vermindert den Einsatz von Primärenergie und trägt durch die reduzierten Kohlendioxid-Emissionen zum Klimaschutz bei. Von den im Bundesdurchschnitt 455 Kilogramm Hausmüll pro Kopf wurden zuletzt rund 95 Prozent recycelt. Dass es sich insgesamt um einen lukrativen Markt handeln muss, belegt unter anderem die Tatsache, dass der „Grüne Punkt“ seine zuvor 30 Jahre lang gehaltene Position als größtes duales System in Deutschland vor kurzem an einen französischen Mitbewerber abgeben musste. Was aber passiert eigentlich genau mit all den eingesammelten Wertstoffen — und wer verdient auf welche Weise an diesem offensichtlichen „Müllionengeschäft“? Mein Wirtschaftsfeature blickt hinter die Kulissen des Wertstoff-Recyclings und zeigt auch, dass manche Unternehmen auf diesem Sektor vor kriminellen Machenschaften offenbar nicht zurückschrecken.

 

Sendetermin: Dienstag, 30. Juni 2020, 19.30 Uhr, auf Deutschlandfunk Kultur

Charakter in einer Welt jenseits von Zeit

Charles Dickens (1812-1870) war eine Art Popstar des viktorianischen Zeitalters: Der überwältigende Erfolg seiner Romane wie „Oliver Twist“ oder „David Copperfield“ führte dazu, dass der Schriftsteller bereits als 30-Jähriger von Kritikern wie Lesern gleichermaßen gefeiert und bei öffentlichen Auftritten von Menschenmengen bedrängt wurde. Dies scheint umso erstaunlicher, als Dickens bereits als Kind zeitweise arbeiten gehen musste, um die eigene Familie finanziell zu unterstützen. Nach ersten Tätigkeiten als Parlaments-Stenograph und Reporter startete das Schreibtalent seine literarische Karriere zunächst mit humorvollen Alltags-Skizzen. Die „Pickwick Papers“ läuteten ab 1836 dann Dickens‘ rasanten Aufstieg zu Weltruhm ein. Anlässlich des 150. Todestages des Autors habe ich für den Deutschlandfunk eine "Lange Nacht" über Charles Dickens geschrieben. Darin hinterfrage ich unter anderem, was die Faszination der Dicken‘schen Werke ausmacht, wieviel Autobiografisches in ihnen enthalten ist — und weshalb es sich nach wie vor lohnt, diese Klassiker zu lesen.

 

Sendetermin war Samstag, der 6. Juni 2020, um 00.05 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur. Auf Wunsch teile ich das Passwort für den Download-Bereich meiner Website mit. Dort sind die drei Stunden als mp3 hinterlegt.

Lizenz zum Schreiben

James Bond, britischer Geheimagent 007 mit der „Lizenz zum Töten“, ist vor allem durch die Verfilmungen mit Sean Connery, Roger Moore & Co. längst zu einer Ikone des 20. und auch 21. Jahrhunderts geworden. Doch nur wenige Menschen wissen, dass Bonds Geburt nicht erst 1962 (mit „Dr. No“) auf der Kinoleinwand stattfand, sondern bereits 1953 zwischen zwei Buchdeckeln: Ian Flemings „Casino Royale“ erschien damals beim Londoner Verlag Jonathan Cape. Dieser und die nachfolgenden Bond-Romane bescherten Autor und Verleger Einnahmen ungeahnten Ausmaßes. Nach Flemings Tod 1964 drohte James Bond als Romanheld aus dem Bewusstsein der lesenden Öffentlichkeit zu verschwinden. Darum beauftragen dessen Erben bis heute verschiedene Autoren, weitere Thriller rund um den Geheimagenten zu schreiben. Nicht zuletzt dadurch beträgt die verkaufte Gesamtauflage der Bond-Reihe inzwischen weltweit 150 Millionen Exemplare.

 

Sendetermin war Freitag, der 17. April 2020, auf Deutschlandfunk Kultur. Die Sendung ist per Stream und Download nach wie vor hier verfügbar.

Die mit den Pfunden wuchern

Dicke Menschen werden häufig mit Ausgrenzung oder sogar Ablehnung konfrontiert. Auf dem Arbeitsmarkt haben sie schlechtere Karten und manchmal geht die Diskriminierung sogar über den Tod hinaus: Einzelne Kommunen erheben bei Beerdigungen Zusatzgebühren. Doch dicke Menschen nehmen die Zurückweisungen nicht länger hin.

 

„Body-Positivity“ bedeutet, seinen Körper so zu lieben wie er ist. Immer mehr Menschen setzen sich dafür ein. Die ursprünglich aus den USA stammende Size-Acceptance-Bewegung ermuntert dicke Menschen, das eigene Körpergewicht zu akzeptieren, ohne sich schuldig zu fühlen – und diese Haltung auch im Alltag selbstbewusst zu vertreten. Hierzulande macht sich seit einigen Jahren die „Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung“ für Dicke stark. Sie fordert unter anderem, dass das Antidiskriminierungsgesetz um einen Schutz für das Merkmal Gewicht erweitert wird. "Über das neue Selbstbewusstsein dicker Menschen" lautet der Untertitel meiner Sendung, die im Rahmen einer kleinen Reihe zum Thema "Körperlichkeit" läuft.

 

Sendetermin war Sonntag, der 1. März 2020, im Deutschlandfunk. Das Feature kann hier per Stream oder Download nachgehört werden.

Cash me if you can

Die Deutschen lieben Bargeld. So hat sich seit der Euro-Einführung 2002 die Menge der im Umlauf befindlichen Banknoten fast verdreifacht. Dennoch gerät das Bargeld immer stärker in die Defensive: Immer mehr europäische Länder verzichten auf Ein- und Zwei-Cent-Münzen, führen Obergrenzen für Barzahlungen ein oder diskutieren die Abschaffung von Geldscheinen mit hohem Nennwert — angeblich, um Geldwäsche und Schwarzgeld effektiver bekämpfen zu können. Zudem sind weltweit viele Varianten des elektronischen Zahlungsverkehrs auf dem Vormarsch: Kreditkarten, Bezahlen per Smartphone oder Fingerabdruck.

Dies hat dazu geführt, dass in Schweden inzwischen vier von fünf Bürgern fast alles per Karte bezahlen. Auch Großbritannien scheint sich auf dem Weg in eine bargeldlose Gesellschaft zu befinden. Hat das Bargeld überhaupt eine Zukunft? Darüber berichet meine Sendung, die am  17.12.2019 auf Deutschlandfunk Kultur ausgestrahlt wurde. Sie ist hier online per Stream und zum Download verfügbar.

Die törichte Neigung, in der Welt herumzuschweifen

Im April 1719 veröffentlichte der Londoner Verleger William Taylor „Robinson Crusoe“. Das Manuskript stammte aus der Feder des damals bereits 59 Jahre alten Autors Daniel Defoe. Trotz seines recht hohen Preises war die erste Auflage bereits nach drei Wochen vergriffen. Ein weiteres Indiz für die Popularität des Buches war zudem die Tatsache, dass noch im selben Jahr nicht weniger als vier Raubdrucke erschienen — und schon 1720 die erste offizielle deutsche Ausgabe. Bis heute scheint „Robinson Crusoes“ Ruhm ungebrochen, hat es mit den „Robinsonaden“ doch sogar eine ganz eigene Literaturgattung geschaffen. 300 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Romans begibt sich die „Lange Nacht“ auf Spurensuche: Wieviel Fiktion und wieviel Wahrheit stecken in „Robinson Crusoe“? War Daniel Defoe nicht nur ein ausgemachter Vielschreiber, sondern vielleicht auch ein Rassist? Und was hat es eigentlich mit jener Hauptinsel des Juan-Fernández-Archipels auf sich, die seit 1966 die offizielle Bezeichnung „Robinson Crusoe Island“ trägt?

 

Sendetermin war am 17. August 2019 auf Deutschlandfunk Kultur und im Deutschlandfunk. Das Manuskript der Sendung ist zum Nachlesen hier verfügbar. Sollten Sie an einem Download der Sendung interessiert sein, nehmen Sie bitte hier Kontakt zu mir auf.

Die im Dunkeln sieht man nicht

Mit Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2007 rückten Schattenbanken erstmals in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit. Der Begriff bezeichnet Akteure auf den Finanzmärkten, die bankähnliche Funktionen wahrnehmen, jedoch nicht derselben Kontrolle und Regulierung unterworfen sind. Zu den Schattenbanken gehören beispielweise Geldmarkt- oder Hedgefonds sowie Kreditversicherungen. Da sich die regulären Banken aus riskanteren Anlagen zurückgezogen haben, übernehmen sie im weltweiten Finanzsystem inzwischen eine immer wichtigere Rolle. In den USA wird bereits die Hälfte aller Kredite von Schattenbanken vergeben, in Europa immerhin gut ein Drittel. Kritiker warnen, dass ihre Rolle unterschätzt wird, sie könnten der Ausgangspunkt der nächsten Finanzkrise sein.

 

Sendetermin war Dienstag, der 23. April 2019, auf Deutschlandfunk Kultur. Das Feature ist hier per Stream und als mp3-Download zum Nachhören verfügbar.

300 Jahre Einsamkeit

Daniel Defoes „Robinson Crusoe“, erschienen im April 1719, gilt als erster Abenteuerroman der Weltliteratur — und entwickelte sich auf Anhieb zum Bestseller: Innerhalb von nur drei Monaten erschienen vier Auflagen, wenig später bereits diverse Raubdrucke sowie 1720 unter anderem zwei deutsche Übersetzungen. Zwar wird Defoes Werk — vor allem aufgrund regelmäßig vorgenommener, meist umfangreicher Kürzungen — inzwischen eher als Jugendbuch wahrgenommen, doch dient das Buch bis heute auch für viele andere Autoren als Inspirationsquelle. So erschienen im Laufe der vergangenen drei Jahrhunderte weltweit unzählige Werke von Nachahmern, die alle jeweils die Idee eines isolierten Individuums in ungewohnter Umgebung thematisierten beziehungsweise variierten. Längst gelten derlei „Robinsonaden“ als eigene Literaturgattung. In einem Literatur-Feature versuche ich, dem Faszinosum Robinson auf die Spur zu kommen.

 

Sendetermin war Freitag, der 12. April 2019, 19.30 Uhr, auf Deutschlandfunk Kultur. Das Feature ist hier als Stream und als mp3-Download zum Nachhören verfügbar.