Zeitreise vor wechselnder Kulisse

Seit über einhundert Jahren zieht die Transsibirische Eisenbahn Reisende aus aller Welt in ihren Bann – wie etwa den Polarforscher Fridtjof Nansen, den Schauspieler Hardy Krüger oder den Schriftsteller Paul Theroux. Der Durchbruch für die am Ende über 9000 Kilometer lange Verbindung zwischen Moskau und Vladivostok erfolgte Ende 1892 auf Drängen des Unternehmers und damaligen russischen Finanzministers, Sergej Witte. Um die einheimische Wirtschaft anzukurbeln und die Industrialisierung voranzutreiben, regte er seinerzeit mit Erfolg die Gründung des „Komitees der Sibirischen Eisenbahn“ an. In dessen Auftrag waren später zu Spitzenzeiten über 100.000 Arbeiter gleichzeitig mit dem Bau der Bahntrasse beschäftigt. Mit Inbetriebnahme der Amurbrücke bei Chabarovsk konnte am 18. Oktober 1916 schließlich die Vollendung der Strecke gefeiert werden. Ein Jahrhundert später habe ich mich für die Lange Nacht daran gemacht, die „Faszination Transsib“ zu ergründen.

 

Sendetermin: In der Nacht von Freitag, 1.12., auf Samstag, 2.12.2017, ab 00.05 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur. Wiederholung am Samstag, 2.12.2017, ab 23.05 Uhr im Deutschlandfunk.

"Ich sage, was zu sagen ist"

Alfred Kerr war der berühmteste und auch berüchtigtste Theaterrezensent und Feuilletonist der Weimarer Republik. Seine Texte waren stets unverwechselbar: Kurz und prägnant, voll treffendem Witz und überschäumender Leidenschaft standen sie wie journalistische Markenartikel in der Zeitung. Kerr polarisierte. Auch politisch nahm er nie ein Blatt vor den Mund. Seinen langjährigen Schützling Gerhart Hauptmann verfluchte er, nachdem dieser sich eilig mit den Nationalsozialisten arrangiert hatte, aus dem Exil: „Ich kenne diesen Feigling nicht. Dornen sollen wachsen, wo er noch hinwankt.“ In krassem Gegensatz zu den oft egozentrischen, provozierenden und bisweilen auch persönlich verletzenden Artikeln des Kritikers stand sein Verhalten im Privaten. Hier gab er sich stets als treusorgender und zärtlicher Familienmensch. Eine Sendung zu Alfred Kerrs 150. Geburtstag.

 

Sendetermin: Freitag, 29.12.2017, 19.30 Uhr, auf Deutschlandfunk Kultur.

Hörbuch: Die Strafdivision 999

Im Kriegswinter 1941/42 hatte die deutsche Wehrmacht hohe Verluste erlitten. So stellte das Oberkommando eine spezielle Kampfeinheit aus Männern zusammen, die zuvor als »Wehrunwürdige« gegolten hatten: politisch Vorbestrafte, Kriminelle, religiös Verfolgte. Sie bildeten die Strafdivision 999. In einer Truppenstärke von 16 000 wurden sie im Frühjahr 1943 nach Tunesien geschickt. Die Folgen für die Wehrmacht waren desaströs: Wo immer Soldaten der Strafdivision kämpften, ob in Afrika, später in Griechenland oder an der Ostfront, unterwanderten viele von ihnen die Verbände, liefen zu den »Feinden« über, unterstützten Widerstandskämpfer. Die Geschichte dieser zu Unrecht vergessenen Strafdivision habe ich in diesem Feature rekonstruiert.

 

Die Strafdivision 999 im Zweiten Weltkrieg
Das Schicksal der »Wehrunwürdigen« in der Wehrmacht

Erschienen im September 2017 im Ch. Links Verlag
Audio-CD, Laufzeit: 44 Minuten
ISBN: 978-3-86153-970-4